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Turbulenzen weltweit

Januar 16, 2010

Turbulence ist eine Publikation, die ich hier einmal kurz vorstellen möchte, da ich lange nichts Interessanteres gelesen habe.
Auf Turbulence sind Texte unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht. Die Autor_innen sind auf der ganzen Welt verstreut, fühlen sich der globalisierungskritischen Bewegung zugehörig, gehören aber sehr unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Bewegung an.

Das Schwerpunktthema von Turbulence 5 sind die Commons, ein zentraler Begriff der weltweiten Linken (ist nicht leicht zu übersetzen, am ehesten vielleicht noch mit Gemeingütern). Leider sind alle Artikel auf Englisch, es gibt auf Turbulence jedoch einen Aufruf, Artikel zu übersetzen und ein paar Texte der neuen Ausgabe, sowie einiges aus früheren Ausgaben ist schon übersetzt.

Sehr interessant ist ein Text über die Krise in Kalifornien: Everything touched by capital turns toxic von Gifford Hartman. Darin wird beschrieben, wie sich ein völlig wildgewordener Kapitalismus in Kalifornien in alle Lebensbereiche hineingefressen hat und wie dies dazu begetragen hat, dass heute viele Menschen in Kalifornien in Zeltstädten und Slums hausen. In Kalifornien zeigt sich, wie unter einem Brennspiegel, was passiert, wenn die Prinzipien der Ökonomie zu den Hauptprinzipien einer Gesellschaft erklärt werden. Natürlich ist die Entwicklung in anderen US-Staaten ähnlich. So verliert in den USA alle 13 Sekunden eine Hausgemeinschaft ihr Dach über dem Kopf, da sie die Miete nicht bezahlen kann. Mittlerweile gibt es für jeden obdachlosen Menschen fünf leere Häuser…

Interessant ist auch der Text Falling Together von Rebecca Solnit (San Francisco): Sie beschäftigt sich seit Jahren mit den Verhaltensweisen von Menschen in Krisengebieten. Anders als von den Mainstreammedien oftmals vermittelt, hat Solnit in verschiedenen Katastrophengebieten eine extrem hohe Hilfsbereitschaft und Solidarität unter den Menschen beobachtet. Da jedoch eine nichtbetroffene Obrigkeit von Gewalttaten im Krisengebiet ausgeht, werden oft völlig unverhältnismäßige Mittel eingesetzt um die Opfer der Katastrophen in bestimmten Gebieten festzuhalten.
Der Artikel von Rebecca Solnit ist ein Ausschnitt aus ihrem Buch A Paradise Built in Hell und leider der einzige Text auf Turbulence der nicht unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht wurde.

Ebenfalls sehr aufschlussreich: Die Diskussion um den Green New Deal zwischen Frieder Otto Wolf, einem Grünen der ersten Stunde und Tadzio Müller, einem der Mitorganisatoren der Aktionen zum Klimagipfel in Kopenhagen: Green New Deal: Dead end or pathway beyond capitalism?. Während Tadzio Müller den Green New Deal ablehnt, da dieser innerhalb der kapitalistischen Denkweise agiert, denkt Frieder Otto Wolf, die globalisierungskritische Linke müsse den Green New Deal zu ihrem eigenen Deal machen und vor allem in die richtige Richtung lenken.

Aber lest nun selbst weiter!
Viel Spaß wünscht Euch hierbei Eure Julu