Bedingungloses Grundeinkommen oder: wider den Arbeitszwang für höheres Kapitalvermögen

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Immer wieder werden Ideen zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) grundsätzlich mit Neoliberalismus in Verbindung gebracht und damit eine vehemente Ablehnung begründet. Als „neoliberal“ verstehe ich Auffassungen, die ein möglichst geringes Heranziehen von privatem Kapital und privaten Unternehmen zur Finanzierung von gemeinschaftlichen oder solidarischen Sicherungszielen vertreten. Damit könne sich dann wirtschaftliches Leben und in der Folge ein für alle erhöhter Wohlstand besser entfalten. Mit teilweise ähnlichen klingenden Freiheitsbegriffen werden auch Grundsicherungs-Modelle begründet, nur andersherum: einen gewissen Grund-Wohlstand schaffen, aufgrund dessen soziales Leben und wirtschaftliche Unternehmung stattfinden kann.

„Neoliberalismus“ verfolgt als Form des Kapitalismus das Ziel einer Vermehrung von privaten Kapital. Und privates Kapital ist ja nur dann nützlich, wenn Leute bereit sind, dafür zu arbeiten. Denn was nützt mir aller Reichtum, wenn ich mir dafür keine Dienste und Waren kaufen kann? Arbeit und Waren von anderen zu erwerben ist einfacher, wenn jene Anderen zum Anbieten ihrer Arbeitskraft, Waren oder Rohstoffe gezwungen sind, um selbst grundlegend auszukommen. Dieser Zwang ist eine wesentliche Bedingung, damit die Kaufkraft und die Bedeutung des Kapitals erhalten bleibt. Oder anders gesagt: Der Wegfall des Arbeitszwangs zum eigenen Auskommen bewirkt eine Reduzierung des Kapitalvermögens, also dessen, was Kapital zu kommandieren vermag.

Arbeit selbst können wir natürlich nicht gänzlich abschaffen: Putzen, Kinder aufziehen, Lebens- und Wohnmittel beschaffen, herstellen etc. sind nur schwerlich zu automatisieren. Hier geht es um eine Verteilung und eine Bezahlung, die von allen Beteiligten immer wieder als gerecht angesehen wird und ausgehandelt werden kann. Auch international. Fragen der politischen Partizipation und privater Kooperation.

Was ich jedenfalls an vielen Initiativen des bedingungslosen Grundeinkommens schätze, ist der Versuch, die soziale Grundsicherung vom wahnwitzigen Zwang zur Erwerbsarbeit zu lösen. Ich glaube, das wäre ein empfindlicher Schock, der neue Energien und Prozesse in Gang setzt. Dass aber die grundsätzliche Idee einer Befreiung vom Zwang zur Erwerbsarbeit „neoliberales Gedankengut“ sei, kann ich nicht erkennen. Ich sehe es eher als Gift für die Politik einer uneingeschränkten Verfügbarkeit menschlicher Arbeit für Kapitalvermögen an. Und ich wette einiges, dass bei einer sich abzeichnenden Realisierung eines BGE vehement die Kommunismuskeule bzw. eine Abart des Westerwelle-Spruchs vom „anstrengungslosen Wohlstand“ rausgeholt wird.

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Eine Antwort to “Bedingungloses Grundeinkommen oder: wider den Arbeitszwang für höheres Kapitalvermögen”

  1. julialu Says:

    Hallo Holger,
    ich glaube es wäre gut, wenn du kurz erläutern würdest auf was du dich hier beziehst. Denn bis jetzt ist mir noch an keiner Stelle eine Kritik an der Idee des Grundeinkommens begegnet, welche diese Idee grundsätzlich als neoliberal bezeichnet. Es ist doch eher so, dass diese Bezeichnung für bestimmte MODELLE des Grundeinkommens verwendet wird.
    Viele Grüße
    Julialu

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